ARD – Reise ins Leben | Kilimandscharo Besteigung

ARD – Reise ins Leben

21.11.2017  |  Mit dem Ersten sieht man manchmal gar nichts!

daserste.de

Die ARD hat einen Beitrag zur Besteigung des Kilimandscharo abgeliefert. Fiktional, aber dennoch total unrealistisch und mit fragwürdigen Aussagen.

„Ich führe selbst Touren auf den Kibo für einen Reiseveranstalter. Ich habe also ein wenig Einblick in die Materie. Der Beitrag ist unrealistisch: aus Kostengründen in Südafrika gedreht. Zeigt in keiner Weise den wahren Charakter der Routen, die viel anspruchsvoller sind. Mit einem Rollstuhl? Funkgeräte mit Kontakt zu den Rangern? Ein Gepard, der in freier Wildbahn flüchten würde? Träger die nichts tragen? In Wirklichkeit trägt jeder 30-60 kg! Das sieht anders aus und ist für die Leute ein Knochenjob… Meine Bitte: Wenn ihr als Sendeanstalt mit staatlichem Auftrag produziert, dann fragt doch bitte vorher Menschen, die sich mit der Materie auskennen. Sonst endet das in Falschinformation. Das Gipfelschild nachzubauen reicht nicht. Ein Kammerspiel? Ein Drama? … das rechtfertigt nicht die hohen Ausgaben für einen solchen Dreh, der dann falsche Dinge zeigt. Aktive Entwicklungshilfe? Sehe ich hier auch nicht. Dann besser in Tansania selbst drehen. Oder in einer Berliner Kneipe.“

Der Text meines Kommentars ist natürlich sehr kurz. Und es ist nicht alles was ich dazu zu sagen hätte. Ich bin echt sauer, das solche Filme mit Steuergeldern gedreht werden. Ich hatte am Anfang noch das Gefühl, das könnte lustig werden, ich könnte mich hier wiederfinden und meinen Job aus einer Beobachterposition erleben. Aber es ist schnell Schluss mit den zugegeben wunderschönen Landschaftsaufnahmen und Drohnenflügen. Zu viele Fehler. Man beginnt die Tour nicht 50 km vor dem Kilimandscharo. Sind wir gerade in einer alten deutschen Kolonie? Ich könnte mich übergeben. Wieder einmal der Deutsche: Nur er kann das Ingenieur Studium des tansanischen Bergführers finanzieren. Warum ihm das Geld dazu fehlt, warum das Land trotz sagenhafter Natur- und Bodenschätze finanziell ausblutet, warum die Menschen kaum eine Chance auf vernünftige Bildung haben, warum es kaum gut ausgebildete Lehrer gibt, warum Tansania im United Nations Human Development Reports für 2015 auf Rang 151 von 193 landet: das alles erfährt man nicht. Wow. Aber den Gepard im Urwald (wo er niemals hingelangen würde) darf der deutsche Bergführer mit einer Rauchfackel verjagen. Der kann das viel besser als der Einheimische. Und wenn dann dieses Tier von anderen Kritikern der Medienlandschaft als Leopard erkannt wird, beschleicht mich das Gefühl, dass die Medien ihren Bildungsauftrag wirklich gut erfüllen.

Das vielleicht Schlimmste: Die Besteigung wird wesentlich einfacher dargestellt, als sie es ist. Was mehr Menschen an den Berg lockt. Da streiten sich die Geister: Ist das gut? Bringen die Touristen dringend benötigte Devisen ins Land? Oder wird die Natur noch schneller zerstört? Auf jeden Fall werden mit solchen Bildern Erwartungen aufgebaut, die nicht erfüllt werden können. Der Berg ist mittlerweile so überfüllt mit Menschen, die sich hier ein individuelles, einmaliges Bergerlebnis erhoffen. Viele von ihnen gefährden sich und andere. Ich selbst musste schon einen Gast mit dem Jeep in die Ebene bringen lassen. „Eine Stunde laufen kann ich doch! Ich gehe jeden Tag eine Stunde mit dem Hund spazieren.“

Ich möchte solche Filme in diesem Jahrtausend nicht mehr sehen. Was für eine Verschwendung!

ARD – Reise ins Leben | Kilimandscharo Besteigung

Es sind auch mehr Menschen als gezeigt unterwegs: 175.000 (2015)

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